Fachverbandstagung 2011 in Velden am Wörthersee

Der Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen hielt die diesjährige Fachverbandstagung am 10. und 11. Oktober in Velden am Wörthersee ab. Den Auftakt bildete, auf Einladung der KELAG AG, eine Schiffsfahrt am Wörthersee, bei der die TeilnehmerInnen nicht nur kulinarisch verwöhnt wurden, sondern sich auch am stimmungsvollen Schauspiel eines Sonnenuntergangs über dem See erfreuen konnten.

Stellvertretender Obmann des FGW und Vorstandssprecher der EVN, Dipl.-Ing. Dr. Peter Layr verwies in seiner Begrüßung auf das Motto der diesjährigen Fachverbandstagung – "Zurück zur Zukunft" – und erinnerte daran, dass die Gas- und Fernwärmewirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung Österreichs ermöglicht hat. Er rief auf, zum Optimismus und zur Tatkraft jener Jahre zurückzukehren, die für die Erfolgsgeschichte der Gas- und Wärmebranche kennzeichnend seien. Die eingesetzten Energieträger und Technologien leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele in Österreich.

Der Geschäftsführer des FGW, Mag. Michael Mock, informierte über die Aktivitäten des Fachverbandes seit der letzten Tagung im vergangenen Oktober. Im Bereich Gas gehörten das Begutachtungsverfahren für das neue Gaswirtschaftsgesetz und das neue Marktmodell Gas zu den Arbeitsschwerpunkten, weiters wurden 2011 die Verhandlungen zwischen der Regulierungsbehörde E-Control und dem FGW über die Ausgestaltung der zweiten Anreizregulierungsperiode aufgenommen. Im Bereich Fernwärme setzte man erfolgreiche Maßnahmen, damit im Rahmen des Fernwärmeförderungsgesetzes Mittel für den Ausbau der Fernwärme- und Fernkälteinfrastruktur bereitgestellt werden. Dadurch konnten im August 2011 die ersten Förderverträge mit Unternehmen abgeschlossen werden.

DI Wolfgang Lyssy stellte die Strategie der KELAG AG bei der Erdgasaufbringung dar. Da die Kunden immer öfter bereit seien, zugunsten von Preisnachlässen auf die höhere Versorgungssicherheit durch Langfristverträge zu verzichten, ist man in den vergangenen Jahren verstärkt dazu übergegangen, Erdgasmengen auf Termin- und Spotmärkten zu erwerben. Lyssy berichtete in diesem Zusammenhang auch von Bestrebungen der KELAG, bei den Gasproduzenten eine Preisrevision bei Langfristverträgen zu bewirken.

Dr. Jürgen Lenz, Vizepräsident des DVGW, stellt Möglichkeiten dar, Erdgasnetze als Speichermöglichkeit für überschüssigen Strom zu nutzen. In Umwandlungsanlagen wird Strom mittels Elektrolyse in Wasserstoff oder durch Methanisierung in Erdgas konvertiert. Auf diese Weise kann Strom aus erneuerbaren Quellen, der aufgrund von Kapazitätsbeschränkungen nicht in das Stromnetz eingespeist werden kann, genutzt werden. Die Rückverstromung sollte in hocheffizienten GuD-Anlagen erfolgen, die über Kraft-Wärme-Kopplung verfügen.

Auch DI Dietmar Schüwer vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie sprach sich in seinem Vortrag dafür aus, Erdgas als Brücke in ein regeneratives Zeitalter zu nutzen. Erdgas ist durch seine vielseitige und flexible Einsatzmöglichkeit jener fossile Energieträger, der in idealer Weise – bis zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien – eine Brückenfunktion einnehmen kann.

Geschichten prägen unsere Gedankenbilder auch im energiepolitischen Diskurs. Mag. Christoph Hofinger vom SORA Institut erklärt die Wahrnehmung unserer Welt wird durch Geschichten, mit denen wir im Verlauf unseres Lebens konfrontiert wurden: Freiheit versus Abhängigkeit, Gut gegen Böse, Umkehr oder Untergang seien solche Konstellationen. Um in der Öffentlichkeit und in energiepolitischen Debatten erfolgreich zu kommunizieren, müsse erkannt werden, welche Rolle den Energieversorgern zugewiesen wird.

In der abschließenden Podiumsdiskussion, unter der Moderation von Judith Weissenböck, stellt Ing. Wolfgang Altmann, Geschäftsführer der WIEN ENERGIE Vertrieb GmbH fest, dass es in einer Zeit des energiepolitischen Umbruchs naturgemäß Auseinandersetzungen über den richtigen Weg gebe. Er gab zu aber zu bedenken, dass die Energiewirtschaft bei ihren Entscheidungen Zeiträume von mehreren Jahrzehnten berücksichtigen müsse. Die energiepolitische Debatte in den Medien werde hingegen sehr stark von Tagesthemen bestimmt. Hier jeder Forderung nachzukommen, nur um in der Öffentlichkeit als "der Gute" dazustehen, sei weder möglich noch sinnvoll.

Der Tagungsort sowie das Programm wurden von den mehr als 100 TeilnehmerInnen sehr positiv bewertet.

2012 – dem 65. Jubiläumsjahr des Fachverbandes Gas Wärme – wird die Fachverbandstagung in Wien stattfinden.

(24. Oktober 2011)