Fachverbandstagung 2012 am 10./11. Oktober in WienZwei Geburtstagsfeiern bildeten den Auftakt der diesjährigen Fachverbandstagung. Beim Begrüßungsabend, der am 10. Oktober auf Einladung von Wien Energie Vertrieb GmbH im am Wiener Donaukanal gelegenen k47-keyclub stattfand, wurden den Jubilaren KR Ing. Mag. Helmut Miksits und dem Fachverband Gas Wärme gratuliert – beide begingen im heurigen Jahr ihren 65. Geburtstag. Miksits, der seine Funktion als Fachverbandsobmann bereits mit 10. Oktober zurückgelegt hatte, nutzte die Veranstaltung, um sich bei den Branchenkollegen für die gute Zusammenarbeit zu bedanken und dem Fachverband alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Am nächsten Tag begrüßte Vorst.-Dir. DI Marc Hall die TeilnehmerInnen zu den Fachvorträgen im Hotel Marriott und bedankte sich bei seinem Vorgänger für das wohlbestellte Haus, das ihm übergeben wurde. In seiner Ansprache nahm er auf die Tendenz Bezug, leitungsgebundene Energien zunehmend zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte heranzuziehen und allgemeine staatliche Aufgaben aus dem Bereich der Sozialpolitik oder Wirtschaftsförderung auf Energieunternehmen überzuwälzen. Man werde von Seiten des Fachverbandes deutlich machen, dass diese Vorgangsweise eine Verletzung ordnungspolitischer, steuerrechtlicher und möglicherweise auch verfassungsrechtlicher Grundsätze darstellt. Bericht des Geschäftsführers Mag. Michael Mock berichtete über Aktivitäten und Themenschwerpunkte der Fachverbandsarbeit im abgelaufenen Jahr. Im Bereich Gas waren dies zunächst die Verhandlungen mit der Regulierungsbehörde E-Control über die Ausgestaltung der zweiten Anreizregulierungsperiode. Dabei konnte der FGW eine für die Mitglieder vertretbare Regelung erzielen. Auch eventuelle Kosten durch Smart-Metering werden als Investitionsfaktor Berücksichtigung finden. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit lag auf den Verhandlungen zur Umsetzung des höchst komplexen neuen Marktmodells. Im Bereich Fernwärme verwies Mock auf einen „Dauerbrenner“ der Verbandsarbeit: den Kampf um eine ausreichende Dotierung des Wärme- und Kälteausbaugesetzes. Man konnte erreichen, dass für die Jahre 2009–2012 Fördermittel im Ausmaß von immerhin 75 Mio. Euro für den Infrastrukturausbau vorgesehen werden. Im Zuge dieser Bemühungen ist man beim Fachverband zur Überzeugung gelangt, dass künftig auch verstärkt über die Vorteile von Fernwärme informiert werden soll. Die Website www.fernwärme.at ist bereits online. Wachstum durch Bevölkerungsanstieg Ing. Wolfgang Altmann, Geschäftsführer von Wien Energie Vertrieb, beleuchtete in seinem Referat mögliche neue Geschäftsfelder, mit denen die auf Grund von Effizienzbestrebungen erwarteten Rückgänge bei Energieverkauf im Haushaltsbereich ausgeglichen werden könnten. Die Bevölkerungszahl und die Anzahl der Haushalte werden sich in Österreich, vor allem in den Städten, in den kommenden Jahrzehnten weiter erhöhen. Dadurch würden sich auch für Energieversorger Wachstumspotenziale eröffnen – unter der Voraussetzung, dass sie sich an den Bedürfnissen der Verbraucher orientieren und durch maßgeschneiderte Lösungen die Kundenbindung realisieren. Gewinner in diesem Wettbewerbsszenario werden jene Unternehmen sein, denen es gelingt, vom bloßen Energielieferanten zum Systemanbieter zu mutieren. Meistens kommt es anders … Der Wert von Prognosen und Modellen für zukünftige Entwicklungen wurde vom nächsten Vortragenden relativiert. Der renommierte Mathematiker Prof. Dr. Rudolf Taschner lehrt an der Technischen Universität Wien und hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass die Erkenntnisse seiner Wissenschaft zum kulturellen Erbe der Menschheit gehören. Im Vortrag führte er durch die Kulturgeschichte wissenschaftlicher Modelle, um zum Schluss zu gelangen, dass vorhergesagte Ereignisse eben nur mit einer gewissen – durch mathematische Methoden ermittelten – Wahrscheinlichkeit, und nicht mit 100%iger Sicherheit eintreffen. Daher riet er den Anwesenden, sich gegenüber Prognosen eine gesunde Skepsis zu bewahren und immer auf mehrere Szenarien vorbereitet zu sein. Hoher Wirtschaftlichkeitsfaktor durch Kesseltausch Ein Ereignis, dessen Eintreten mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit für dieses Jahr prognostiziert worden war, ist die Veröffentlichung der EU-Energieeffizienzrichtlinie. Sie enthält die Bestimmung, dass in den Mitgliedsstaaten Maßnahmen zur Reduzierung des Energieeinsatzes gesetzt werden müssen. Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht, Vorstand der deutschen VNG – Verbundnetz Gas AG, stellte in seinem Referat Überlegungen zur Kosteneffizienz derartiger Maßnahmen an. Das größte Potenzial liegt im Bereich der Raumwärme. Und hier zeigt sich, dass mit Dämmungsmaßnahmen im Außenbereich zwar die größten Energieeinsparungen erzielt werden können, allerdings nur bei relativ hohen Kosten. Ein weit besserer Wirtschaftlichkeitsfaktor ist beim Einbau neuer Heizkessel gegeben, wo mit deutlich geringeren Kosten beachtliche Einsparungen bewirkt werden. Öffentliche Fördergelder sollten daher gezielt in diesen Bereich fließen. Nutzung von Trends zur Imagekorrektur Die Maßnahmen, die Energieunternehmen gemäß der Energieeffizienzrichtlinie zur Energieeinsparung durchführen müssen, werden sich auch auf das Image der Branche auswirken. Dr. Verena Priemer vom Institut marketmind riet in ihrem Vortrag dazu, Erdgas und Fernwärme mit zwei derzeit bestehenden Megatrends in Verbindung zu bringen, nämlich Convenience und Neoökologisierung. Dazu muss es gelingen, den Verbrauchern die Botschaft zu vermitteln, dass man sich den Komfort, den die beiden Energieformen bieten, durchaus gönnen darf. In der abschließenden Diskussion der Vortragenden herrschte Einigkeit darüber, dass die Energiewirtschaft Öffentlichkeit und Politik davon überzeugen muss, dass die Branche kompetente Lösungen bereithält und nicht Verursacher von Problemen ist. Man dürfe sich nicht den „Schwarzen Peter“ für etwas zuschieben lassen, dessen Ursachen woanders liegen, wie es z.B. bei der Debatte um die „Energiearmut“ versucht wird. Der Fachverband Gas Wärme wird alles daransetzen, auch bei der nächsten Fachverbandstagung, die 2013 in Salzburg stattfindet, Erfolge für die Branche präsentieren zu können. |
