Klimatisierung mit Fernkälte

Steigender Kühlbedarf

Immer mehr Menschen wollen oder können auf eine klimatisierte Umgebung - sei es im Büro, in Verkehrsmitteln, beim Einkauf oder in den eigenen vier Wänden - nicht verzichten. Bauweise und Ausstattung der Gebäude tragen zu diesem Bedürfnis bei: Die moderne Architektur entwirft Geschäftsgebäude mit großflächigen Glasfassaden und ausgedehnte Wohnanlagen mit maximaler Isolierung, sodass Kühlung durch Luftzufuhr von außen nicht mehr funktioniert oder ausreicht. Glasfassaden beispielsweise müssen bei entsprechender Sonneneinstrahlung bereits ab einer Außentemperatur von 6 Grad gekühlt werden. Zur Hitzeeinwirkung von außen gesellt sich zunehmende Erwärmung von innen, verursacht durch das immer ausgedehntere technische Equipment an Computern, Druckern, Kopierern oder Großrechenanlagen.

Während in den USA oder in Japan heute bereits fast alle Bürogebäude klimatisiert sind, liegt ihr Anteil in Europa erst bei rund 50 Prozent. Demzufolge ist mit einer rapide ansteigenden Nachfrage zu rechnen. Experten prognostizieren eine Vervierfachung des Kühlenergie-Bedarfs bis zum Jahr 2020. Die Internationale Energieagentur bezeichnet den Bereich Kühlung und Klimatisierung als einen der am schnellsten wachsenden Felder neuen Energiebedarfs. Wurden bis vor kurzem Verbrauchsspitzen vor allem im Winter verzeichnet, so kommt es heute in vielen Regionen Europas zunehmend auch im Sommer zu extrem hohen Verbrauchsphasen.

Das Problem dabei: Konventionelle Klimatisierung basiert ausschließlich auf dem Einsatz elektrischer Energie. Erfolgt nicht rechtzeitig ein Umstieg auf alternative Kühlmodelle, so wächst der Stromverbrauch in einem Ausmaß, dass Kapazitätsengpässe und gehäuft Stromausfällen drohen.

Zum Seitenanfang

Fernkälte - Innovative Lösung

Der wachsende Kältebedarf, die begrenzte Verfügbarkeit fossiler Energiereserven und steigende Energiepreise verlangen nach innovativen Lösungen. Hier bietet sich das umweltfreundliche System der Fernkälteversorgung an.

Fernkälte stellt eine umweltschonende, energieeffiziente und kostengünstige Alternative zu konventionellen Klimaanlagen dar. Bei Fernkältesystemen werden - analog zur Fernwärmeversorgung - mehrere Objekte oder große Gebäudekomplexe über ein Leitungssystem zentral mit Klimatisierung versorgt, wobei vor allem schon vorhandene Abwärme und sogar kaltes Wasser aus Flüssen und kalte Luft („Free Cooling") zur Kälteerzeugung genutzt werden.

In Europa sind Fernkältenetze u.a. bereits in den skandinavischen Staaten (z.B. in Stockholm und Helsinki), in Amsterdam, Paris und Barcelona realisiert. Pionierarbeit leistete Paris, wo Anfang der 1980er-Jahre im Rahmen des Ausbaus des Stadtteils „La Défense" der Startschuss für Fernkälte fiel. Dort werden heute 700 Gigawattstunden Energie erzeugt - das entspricht etwa dem Kühlbedarf von über 8,5 Mio. m3 Bürofläche oder 85 Mal der Fläche der Wiener UNO-City.

Zum Seitenanfang