Europäischer Kontext

Erdgas in Europa

Das europäische Erdgasnetz

Erdgas spielt eine zunehmende Rolle im Energiemix der Europäischen Union und den meisten ihrer Mitgliedstaaten. Angesichts der immer strengeren Umweltauflagen kommt Erdgas eine strategische Bedeutung bei der Primärenergieversorgung zu.

Durch den laufend steigenden Bedarf ist ein immer dichter werdendes europäisches Gasverbundsystem entstanden. Die Pipelines des europäischen Erdgasnetzes reichen von der Nord- und Ostsee bis zum Mittelmeer und vom Atlantik bis Sibirien und werden weiterhin kontinuierlich ausgebaut. Der grenzüberschreitende Verbund ist Ausdruck der engen gaswirtschaftlichen Zusammenarbeit in Europa, die der Versorgungssicherheit und der wirtschaftlichen Optimierung der Gasströme dient.

Europäisches Erdgasnetz >> (.pdf, 1,3 MB; Quelle: OMV)

Die Liberalisierung des Gasmarktes

Die europäische Erdgaswirtschaft hat diese Netze auf privatwirtschaftlicher Basis und gestützt auf privatrechtliche Verträge aufgebaut, betrieben, instand gehalten und damit eine sichere, robuste und effiziente Form der Versorgung gewährleistet. Dies hat sich durch die Regulierung der Gaswirtschaft - vor allem im Gefolge der Erdgasbinnenmarktrichtlinien - entscheidend geändert. Aus diesem Grund arbeitet die EU daran, einen klaren Gemeinschaftsrahmen festzulegen, innerhalb dessen Maßnahmen zur Sicherung der externen Energieversorgung in einer mit dem Funktionieren des Binnenmarktes vereinbaren Weise durchgeführt werden.

Eine erste Richtlinie zum Erdgasbinnenmarkt trat am 1998 in Kraft und wurde bis August 2000 von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt. Ziel der Richtlinie war eine schrittweise und langfristige Marktöffnung (sodass Endkunden ihren Versorger frei wählen können) und die Festlegung von Vorgaben für den Netzzugang.

Im Sommer 2003 verabschiedeten das Europäische Parlament und der Rat die sog. Beschleunigungsrichtlinie Gas. Diese ersetzte die vorangegangene Richtlinie mit dem Ziel, die Schaffung des EU-Binnenmarktes für Erdgas innerhalb der nächsten vier Jahre zu vollenden. Weiters enthielt sie die Verpflichtung zur Einführung eines Regulators sowie zur strikten Trennung von Netzbetrieb und Gasverkauf („Unbundling").

2007 folgte das sog. Dritte Energiebinnenmarktpaket, das neben einer Kompetenzerweiterung der Regulierungsbehörden die eigentumsrechtliche Entflechtung von Netz- und Handelsaktivitäten auf Fernleitungsebene vorsieht.

Die Umsetzung des EU-Erdgasbinnenmarktes wird seit 1999 vom so genannten Madrid-Forum begleitet. Hier treffen sich zweimal jährlich Regulierungsbehörden, Kommission, Repräsentanten der EU-Mitgliedstaaten, Industrie und Verbraucher, um die bei der Realisierung des Binnenmarktes auftretenden Probleme zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und Standards zu erarbeiten.

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Internationale Organisationen

Da Lagerstätten und Verbrauchsort meist durch große Entfernungen getrennt sind, wird Gas über viele Grenzen transportiert. Die sich daraus ergebenden technischen und organisatorischen Aspekte werden in internationalen Organisationen behandelt. 

EUROGAS

EUROGAS ist eine gemeinnützige internationale Vereinigung mit Sitz in Brüssel. Ihre Hauptaufgabe ist die Vertretung der Interessen der europäischen Gasindustrie gegenüber der Europäischen Union und ihren Organen (wie Europäische Kommission, Europäisches Parlament, Rat etc.). Die Organisation wird von einem Board geführt und von einem Generalsekretariat verwaltet. Die Erarbeitung von Positionen und Stellungnahmen erfolgt in von den Mitgliedern beschickten Arbeitsgruppen.

EUROGAS befasst sich insbesondere mit

  • Struktur und Regulation des europäischen Energiemarkts, Energiepolitik und Versorgungssicherheit

  • Statistik und Energieprognose

  • Besteuerung von Energie

  • Schutz der Umwelt und Klimaänderung

  • Öffentliche Beschaffung

  • Transeuropäische Netzwerke

  • Außenbeziehungen etc.

Internet: http://www.eurogas.org/

GIE

GIE (Gas Infrastructure Europe) ist eine europäische Organisation, welche die Fernleitungsunternehmen, Speicherbetreiber und LNG-Terminalbetreiber innerhalb der EU und gegenüber nationalen Regulierungsbehörden vertritt. Die Vereinigung wurde im März 2005 gegründet und hat ihren Sitz in Brüssel. GIE gliedert sich in drei Abteilungen: GTE (Gas Transmission Europe), GSE (Gas Storage Europe) und GLE (Gas LNG Europe).

Ziele der Organisation sind:

  • zur Entwicklung eines voll funktionierenden Gasmarktes in Europa beizutragen

  • das grenzüberschreitende Fernleitungsnetz sicher und zukunftsorientiert auszubauen

  • Problemlösungen durch den Markt statt durch Regulierung zu fördern

  • die Ansichten der Fernleitungs-, Speicher- und LNG-Betreiber zu formulieren.

Internet: http://www.gie.eu.com/

EASEE-Gas

Auf dem europäischen Erdgasmarkt gibt es eine Reihe technischer Hindernisse, die die Interoperabilität zwischen einzelnen Erdgasnetzen und -qualitäten beeinträchtigen können. Um diese Probleme zu überwinden wurde am 14. März 2002 der europäische Verband EASEE-Gas (European Association for Streamlining of Energy Exchange - Gas) gegründet. EASEE-Gas hat zum Ziel Geschäftsverfahren zu vereinfachen, Standards zu vereinbaren und eine Basis für allgemein gültige Geschäftsgrundlagen für einen effekiven europäischen Gasmarkt zu schaffen.

Internet: http://www.easee-gas.org/

UN-ECE Gas Center

Internet: http://www.gascentre.unece.org/

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