Erdgas in Österreich
Lagerstätten
Erdgas kommt in Österreich vor allem im Wiener Becken und im gesamten Alpenvorland, das im Zuge der Verwitterung der Alpen mit Sand und Schotter gefüllt wurde, vor. Förderstätten befinden sich in Niederösterreich, Wien und Oberösterreich in Tiefen zwischen 500 und 6.000 Metern. Alle Erdgasfelder sind nach den Gemeinden benannt, unter denen sie liegen. Die bedeutendsten sind:
Niederösterreich: Matzen, Schönkirchen, Zwerndorf, Höflein, Mühlberg, Wildendürnbach, Aderklaa, Breitenlee, Fischamend, Roseldorf, Teufelsgraben
Oberösterreich: Haidach, Schwanenstadt, Lauterbach und Voitsdorf
Salzburg: Nussdorf
Geologisches Profil >> (.pdf, 2,1 MB; Quelle: OMV)
Erdgasaufbringung
Inlandsförderung
Erdgas wurde in Österreich erstmals 1931 im Gebiet von Oberlaa südlich von Wien gefördert. Das erste bedeutende Erdgasfeld entdeckte man 1952 bei Zwerndorf. Eine kontinuierlich erfolgreiche Erdgaswirtschaft konnte jedoch erst 1955 mit der Übergabe der Rechte von der Sowjetischen Mineralölverwaltung (SMV) an die Republik Österreich aufgebaut werden. Die neu gegründete Österreichische Mineralölverwaltung (ÖMV) begann ihre Hauptförderung aus dem Feld Zwerndorf und ab den 1970er-Jahren aus Matzen.
Im jährliche Inlandsförderung stieg von 700 Mio. m3 (1955) auf 1,8 Mrd. m3 (2007). Damit deckt Österreich heute ein Sechstel seines Bedarfs mit heimischem Erdgas.
Import
Fünf Sechstel seines Bedarfs deckt Österreich durch Einfuhren. Der Großteil des importierten Erdgases stammt aus Russland, das in Westsibirien über rund ein Drittel der weltweit förderbaren Reserven verfügt. Die derzeitigen Lieferverträge zwischen OMV Erdgas und dem russischen Erdgasproduzenten Gazprom garantieren Lieferungen bis zum Jahre 2012. Weiteres Importgas bezieht Österreich aus Norwegen und anderen Ländern.
Erdgasaufbringung Österreichs aus Importen und Inlandsproduktion (2007):
Russland: 52%
Andere: 18%
Norwegen: 13%
Inlandsförderung: 17%
Erdgasnetz
Transport und Verteilung
Die Übernahme des russischen Erdgases erfolgt nahe der slowakischen Grenze in Baumgarten, einer der bedeutendsten Erdgasdrehscheiben Europas. Von hier aus wird es sternförmig an die österreichischen Bundesländer und ins benachbarte Ausland verteilt. Eine weitere Übernahmestation - vornehmlich für norwegisches und deutsches Importgas - befindet sich im oberösterreichischen Oberkappel.
An den Übernahmestationen wird das Erdgas gemessen, geprüft und für den Weitertransport verdichtet. Für den Transport in und durch Österreich stehen die großen Transitleitungen TAG (Trans-Austria-Gasleitung), WAG (West-Austria-Gasleitung), SOL (Süd-Ost-Leitung), HAG (Hungaria-Austria-Gasleitung) und Penta West zur Verfügung. Auf ihnen befinden sich 35 Abzweig- und Übergabestationen zur Verteilung von Erdgas an österreichische und internationale Kunden.
Die Dichte des österreichische Transport- und Verteilnetzes spiegelt die wachsende Bedeutung des Energieträgers Erdgas deutlich wider: Es umfasst heute knapp 38.000 km (ohne Transitleitungen) - und ist damit fast dreimal so lang wie vor 20 Jahren (1988: 13.000 km).
Österreichisches Erdgasnetz >> (.pdf, 904 KB; Quelle: OMV)
Speicherung
Bevorratung ist ein wichtiges Instrument, um Schwankungen zwischen Versorgung und Bedarf auszugleichen, etwa zur Deckung der deutlich höheren Nachfrage in den Wintermonaten. Österreich nimmt bei der Erdgasspeicherung aufgrund geologischer Besonderheiten EU-weit eine Sonderstellung ein, da es über zahlreiche für die Gaslagerung geeignete Hohlräume verfügt.
Die österreichischen Erdgasspeicheranlagen mit einem Arbeitsvolumen von insgesamt 4,2 Mio. m3 (Stand: 2007) befinden sich in:
Schönkirchen und Tallesbrunn (NÖ) - Betreiber: OMV
Thann (OÖ) - Betreiber: OMV
Puchkirchen (OÖ) - Betreiber: RAG
Haidach (OÖ) - Betreiber: RAG / Wingas / Gazprom Export
Gasmarkt
Verbrauch
Erdgas gilt heute als unverzichtbare Säule der heimischen Energieversorgung. Die Lieferungen an österreichische Verbraucher haben sich seit den 1970er-Jahren mehr als verdreifacht, der Bedarf lag im Durchschnitt 2003-2007 bei über 8 Mrd. m3 jährlich. Hauptabnehmer sind Industrie und Gewerbe sowie Unternehmen der Strom- und Fernwärmeproduktion.
Einsatzbereiche (2006):
Produzierender Bereich: 37%
Kraftwerke, Fernheizkraftwerke, Heizwerke: 34%
Haushalte, Landwirtschaft: 19%
Verkehr, Dienstleistungen, Sonstige: 10%
Liberalisierung des Gasmarktes
Seit 1. Oktober 2002 ist in Österreich der Gasmarkt völlig liberalisiert. Das heißt, dass den Kunden Zugang zum Versorgungsnetz zu gewähren und die freie Wahl des Gaslieferanten zu ermöglichen ist.
In Österreich wurde das Modell des „regulierten Netzzuganges" gewählt. Die Funktion des Regulators wurde seitens des Gesetzgebers der Energie-Control-Kommission und der Energie-Control-GmbH in Wien übertragen. Im Zuge der Überwachungs- und Aufsichtsfunktion im liberalisierten Gasmarkt hat die E-Control die Aufgabe, Preisvergleiche für Endverbraucher zu erstellen und zu veröffentlichen.
Detailinformationen zu den rechtlichen Grundlagen finden Sie auf der Website der E-Control.




